Kaum bin ich zur Tür des Hospiz raus, strahlt mich das Fletschhorn in der Morgendsonne an. Drumrum ist’s noch ziemlich wolkig. Aber es will sich einfach präsentieren.Tschüs, Simplon Hospiz. Ich werde sicher wiederkommen – vielleicht mal im Winter mit einer DAV Skigruppe?Eine Fotofalle fürs Wildtiermonitoring. Hab ich noch nie so direkt am Weg gesehen.Und dann tauchen alle 50-100 m diese Plastikfähnchen auf. Seltsam. Und dann auch noch mit „Lonza“ drauf 😱. Nicht mehr ganz junge Waldshuter-Tiengener-Gurtweiler wissen, was ich meine. „De Wind hät gwechselt, mer riecht d’Lonza!Zunächst denke ich, die beiden Frauen hätten am stürmischen Bistinepass im Biwak übernachtet, aber ihr Equipment ist dafür etwas seltsam: Kanisterweise Flüssigkeit, haufenweise Bananen, Massen an Riegel, … Sie klären mich auf: Heute ist Gondo-Marathon! Und sie sind eine Verpflegungsstelle am höchsten Punkte des Laufs. Weil mein weiterer Weg auf der Marathonstrecke liegt, kann ich damit rechnen, dass ich irgendwann die ersten Läufer*innen sehe.Ich gehe also noch Stück weiter, mache dann Pause und versuche mich in der Zwischenzeit wieder mal mit Blümchen-Fotografie. Kennt ihr die? Ich nicht. Und die Fotoerkennung erzählt Käse.Dieses strubbelige Teil ist eine verblühte Berganemone, auch Bergmanli genannt (Die Flora Helvetica App ist ja sooooo schlau)Dass dies eine Silberdistel ist, weiß ich sogar ohne Nachschauen.Juhuu, sie kommen! Den ersten krieg ich nur noch von hinten, so schnell isr er an mir vorbei. Ein bisschen muss ich warten, bis die erste Frau kommt. Was für ein Genuss für mich und auch die meisten Läufer*innen, weit und breit der Einzige zu sein, der klatscht und anfeuert. Gut, dass ich heute so viel Zeit habe.Irgendwann muss ich halt doch mal weiter und genieße jetzt eine andere Perspektive des Fletschhorn, diesmal auch mit Lagginhorn im Hintergrund.Tssss, kurz vor dem Gibidumpass überholt mich doch so ein Elektroradler.… der allerdings ein ganz netter ist und beim Pass-Plausch mein Projekt gebührend würdigt 😉. In dieser Region versuchen sie übrigens, immer klar zu kennzeichnen, welche Wege nur für Wandersleut und welche für die gemeinsame Nutzung vorgesehen sind. Meine aktuellen Erfahrungen sind positiv, was Rücksichtnahme angeht.Zack, taucht das Weisshorn hinter dem Pass auf – jetzt viel näher als vor 2 Tagen. Auch den Grand Gendarm kann man erkennen, in dem wir schon Kletterer vom Bishorn aus beobachtet haben.Und kurz danach die Mischabelgruppe mit dem gut erkennbaren Nadelgrat und dem Dom dahinter.Die Waldkapelle „Maria Heimsuchung“ (…) oberhalb Visperterminen, meinem heutigen Zielort.Als heimlicher Orgelfan (eher visuell als akustisch) geht mein Blick in Kirchen immer gleich nach hinten oben. Und die hier find ich besonders hübsch.Auf dem „Kapellenweg“, der von Visperterminen nach oben führt, kommt man an mehreren Rosenkranzkapellen vorbei. Puh, wenn man da wirkllich jedes Mal nen Rosenkranz betet, muss man genügend Zeit einplanen.Visperterminen (ich gaube, die Betonung liegt auf dem „ter“, wieder so ein Terrassendorf wie Rosswald, über dem Eingang des Vispertals, bevor sich dieses teilt in das Saastal und das Mattertal. … und doch ist es ganz anders als Rosswald, weil es aus überwiegend alten Walliser Holzbauten besteht und ein richtiges Dorf ist (Wikipedia sagt Munizipalgemeinde). Ich bin ganz schön beeindruckt. Und das Katholische spürt man in jedem Winkel.Auch ne Architektur: Der Holzbau steht auf Pilzstelzen auf dem gemauerten Unterbau. Oder so …
So, heute gibt’s viele Bilder und viel Text. Zumindest Bilder werden es morgen sicher weniger – es wird bedeckt, möglicherweise mit etwas Regen, und statt obenrum über einen Pass wechsle ich die Region diesmal untenrum.